Beziehung

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Be|zie|hung [bə'ts̮i:ʊŋ], die; -, -en:
1.
a) Verbindung zu jmdm., etwas:
die Beziehungen zu seinen Freunden pflegen; er hat überall Beziehungen.
Zus.: Auslandsbeziehung, Geschäftsbeziehung.
b) Liebesbeziehung:
das Kind ist aus einer früheren Beziehung; mit jmdm. eine Beziehung haben; unsere Beziehung ist gescheitert.
Syn.: Partnerschaft.
Zus.: Liebesbeziehung, Zweierbeziehung.
2. wechselseitiges Verhältnis, innerer Zusammenhang:
eine Beziehung zwischen zwei Vorfällen feststellen; ihre Abreise steht in keiner Beziehung zu seinem Rücktritt; man muss die beiden Taten zueinander in Beziehung setzen.
Syn.: Bezug, Verbindung.
 
• Beziehung/Bezug
Die beiden Substantive sind auch in der Bedeutung wechselseitiges Verhältnis, Zusammenhang nur bedingt austauschbar. Beziehung meint im Allgemeinen die vorhandene oder andauernde Beziehung als solche, Bezug dagegen drückt stärker den Vorgang des Sichbeziehens, also die Herstellung der Beziehung aus. Man sagt demnach:
– die Beziehung (nicht: der Bezug) zwischen Angebot und Nachfrage.
– Er hat keine Beziehung (nicht: keinen Bezug) zur Kunst.
Ebenso nur:
– In dieser Beziehung (was dies betrifft) hat sie recht.
Dagegen heißt es:
– auf etwas Bezug (nicht: Beziehung) nehmen
– mit Bezug (nicht: Beziehung) auf Ihr Schreiben.
Auch in der Bedeutung das Beziehen, das regelmäßige Empfangen ist nur »Bezug« zulässig:
– der Bezug von Zeitungen und Zeitschriften durch die Post.

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Be|zie|hung 〈f. 20
1. Verbindung, Zusammenhang
2. Bezug, Bezugnahme, Anspielung
4. 〈umg.〉 (intime) Partnerschaft
● die \Beziehungen zu jmdm. abbrechen, wiederaufnehmen; \Beziehungen anknüpfen (mit, zu); die \Beziehungen (zu jmdm.) einschlafen lassen; (gute) \Beziehungen haben 〈umg.〉 einflussreiche Bekannte haben, die einem nützlich sein können; eine \Beziehung mit jmdm. haben 〈umg.〉 mit jmdm. intim befreundet sein; die \Beziehungen (zu jmdm.) pflegendiplomatische \Beziehungen (zu einem Staat) aufnehmen; freundschaftliche, verwandtschaftliche, wirtschaftliche \Beziehungen; sexuelle, intime \Beziehungen mit jmdm. haben Geschlechtsverkehr haben ● zwei Dinge miteinander in \Beziehung bringen; eine Sache, Tatsache zu einer anderen in \Beziehung setzen; mit jmdm. oder einer Sache in \Beziehung stehen etwas mit ihm od. damit zu tun haben; in freundschaftlichen \Beziehungen zu jmdm. stehen; in dieser, in gewisser, in mancher \Beziehung muss ich dir Recht geben; es ist in jeder \Beziehung zu begrüßen; dass ...; es ist in keiner \Beziehung zu vertreten, dass ...; die beiden Dinge stehen in keiner direkten \Beziehung zueinander; es wäre in vielen \Beziehungen zu begrüßen, wenn ...; mit oder zu jmdm. in freundschaftliche \Beziehungen treten

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Be|zie|hung , die; -, -en:
1. <meist Pl.> Verbindung, Kontakt zwischen Einzelnen od. Gruppen:
politische, kulturelle, geschäftliche, private, zwischenmenschliche, zwischenstaatliche, internationale -en;
die deutsch-russischen -en;
gute, freundschaftliche -en zu jmdm. haben;
ich habe die -en zu ihr abgebrochen;
wirtschaftliche, diplomatische -en aufnehmen, mit/zu einem Land unterhalten;
er hat [überall] -en (Verbindungen zu Leuten, die etw. für ihn tun können);
seine -en spielen lassen (seine Verbindungen zu bestimmten Leuten für etw. nutzbar machen);
intime -en (ein Liebesverhältnis) zu/mit jmdm. haben;
ich hatte mich gerade aus einer B. gelöst (ugs.; eine Liebesbeziehung beendet).
2. innerer Zusammenhang, wechselseitiges Verhältnis:
die B. zwischen Angebot und Nachfrage;
zwei Dinge zueinander in B. setzen, bringen;
ihre Abreise steht in keiner B. zum Rücktritt des Ministers (hat nichts damit zu tun);
in … B. (in … Hinsicht, unter bestimmten Gesichtspunkten: in dieser B. hat sie recht; das Buch ist in mancher, in jeder B. zu empfehlen);
mit B. auf jmdn., auf etw. (mit Bezugnahme, in Anspielung auf jmdn., auf etw., in Anknüpfung: mit B. auf unser Gespräch von letzter Woche).

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I
Beziehung,
 
1) Philosophie: Relation.
 
 2) Soziologie: ein von E. Dupréel, L. von Wiese und A. Vierkandt eingeführter Grundbegriff der Soziologie, der den Grad der Verbundenheit oder Distanz zwischen Individuen als Ergebnis sozialer Prozesse bezeichnet. Eine Mehrzahl von sozialen Beziehungen, die in ihrer gegenseitigen Verbundenheit als Einheit aufgefasst werden, verkörpert ein soziales Gebilde. L. von Wiese sah in der Erforschung der sozialen Beziehungen und Gebilde die Hauptaufgabe der »beziehungswissenschaftlichen Soziologie« (Beziehungslehre).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Familie und Bindung, Stress und Stressreaktion
 
II
Beziehung,
 
im allgemeinen Sinne Bezeichnung für die wechselseitigen Einwirkungen und Verhaltensformen zwischen Personen, Organisationen und Institutionen in einer Gesellschaft oder zwischen Gesellschaften; im sozialpsychologischen Sinne Bezeichnung für die gegenseitige Beeinflussung von Individuen oder Gruppen im Hinblick auf ihr Verhalten und Handeln, ihre Einstellungen, Erwartungen u. a.
 
Für die meisten Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen gewinnen mit fortschreitendem Alter Zweierbeziehungen eine solche Bedeutung, dass sonstige Beziehungen (Familie, Schule, Beruf, Sport- und Freizeitgruppen) in den Hintergrund rücken. Dabei erfordert es oft Mut und die Überwindung eigener Ängste, auf ein anderes Mädchen beziehungsweise einen anderen Jungen zuzugehen, sich über die beiderseitigen Erfahrungen, Bedürfnisse, Vorstellungen und Sehnsüchte klar zu werden und allmählich eine Beziehung aufzubauen. So brauchen manche Jugendliche lange Zeit, bis sie z. B. schwierige familiäre Erlebnisse verarbeitet haben und sich auf eine feste Beziehung einlassen können; dies gilt in besonderem Maße für Jugendliche, die misshandelt oder sexuell missbraucht worden sind.
 
Ein wichtiger Prozess für die Gestaltung befriedigender Zweierbeziehungen ist das Bewusstwerden über die Eingebundenheit in die eigene Familie und die Prägung durch die Persönlichkeit, den Erziehungsstil und das partnerschaftliche (oder auch abschreckende) Vorbild der Eltern; dieses ist vor allem im Hinblick auf intime Beziehungen wichtig, da diese in der Regel ein besonderes Vertrauensverhältnis voraussetzen. Jugendpsychologen warnen allerdings auch vor einer »Flucht in die Beziehung«, in der zahlreiche junge Menschen die vorherige Abhängigkeit von den Eltern gegen eine Abhängigkeit vom Partner eintauschten, vieles nur noch durch die »Paarbrille« sähen, sich kaum mehr als Einzelwesen verstünden und daher nur eine äußere, aber keine innere Selbstständigkeit erlangten.
 
Siehe auch: Partnertherapie.
III
Beziehung,
 
die Verbindung zwischen verschiedenen Tabellen in relationalen Datenbanksystemen. Dabei werden den Datensätzen einer Hauptdatei (also der Haupttabelle) Datensätze einer anderen Datenbankdatei (der Bezugs- oder Referenzdatei bzw. Bezugs- oder Referenztabelle) zugeordnet, wobei ein bestimmtes Feld (z. B. mit dem Namen »xyz«) in beiden Dateien vorkommt, das sog. Bezugsfeld, auf dem die Beziehung basiert. Ein Zweck einer solchen Beziehung ist es, in der Hauptdatei die zu einem bestimmten Wert des Feldes xyz gehörenden Datensätze der Bezugsdatei in einem Ausschnittsfenster direkt sehen und bearbeiten zu können. Des Weiteren lassen sich auf der Basis von Beziehungen Berichte erzeugen, die es gestatten, auch komplexe Daten zu analysieren.
 
Man unterscheidet einwertige und mehrwertige Beziehungen. Bei einwertigen Beziehungen gibt es zu jedem Wert des Feldes xyz der Hauptdatei keinen oder genau einen entsprechenden Datensatz in der Bezugsdatei (letzterer Fall wird 1:1-Beziehung genannt). Beispiel: Die Hauptdatei enthält Firmennamen, Länderkennzeichen des Hauptsitzes der Firma, Produktionsdaten und Umsätze (sie sei daher Umsatzdatei genannt), die Referenzdatei ist eine Adressdatei, die ebenfalls Firmennamen und daneben Straßen, Postleitzahlen, Orte und Länderkennzeichen enthält. Dient der Firmenname als Bezugsfeld, so liegt eine 1:1-Beziehung dann vor, wenn dem Namen einer bestimmten Firma genau eine Adresse zugeordnet ist (es gibt keinen anderen Firmensitz).
 
Bei mehrwertigen Beziehungen kann jeder Datensatz der Hauptdatei keine, eine oder mehrere, also n Entsprechungen in der Bezugsdatei haben. Man spricht hier auch von einer 1:n-Beziehung. Beispiel: Hat eine Firma mehrere Firmensitze, so sind dem Namen dieser Firma in der Umsatzdatei mehrere (n) Adressen in der Adressdatei zugeordnet. Der Begriff n:m-Beziehung schließlich besagt, dass einem Datensatz der Haupttabelle, wie bei der 1:n-Beziehung, mehrere Datensätze einer anderen Tabelle zugeordnet sind; umgekehrt sind aber auch jedem Wert der Bezugstabelle mehrere Werte der Haupttabelle zugeordnet. Beispiel: Würde man als Bezugsfeld nicht den Firmennamen, sondern das Länderkennzeichen nehmen, so gäbe es für mehrere (n) Datensätze in der Umsatzdatei mehrere (m) zugeordnete Datensätze in der Adressdatei und umgekehrt, weil viele Firmen dasselbe Länderkennzeichen hätten.

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Be|zie|hung, die; -, -en: 1. <meist Pl.> Verbindung, Kontakt zwischen Einzelnen od. Gruppen: politische, kulturelle, gesellschaftliche, geschäftliche, private, menschliche, zwischenmenschliche, zwischenstaatliche, internationale -en; die deutsch-russischen -en; gute, freundschaftliche -en zu jmdm. haben; ich habe die -en zu ihr abgebrochen; wirtschaftliche, diplomatische -en aufnehmen, mit/zu einem Land unterhalten; er hat [überall] -en (Verbindungen zu Leuten, die etw. für ihn tun können); seine -en spielen lassen (seine Verbindungen zu bestimmten Leuten für etw. nutzbar machen); wer keine -en zum Bauern und nichts von Wert zu verscheuern hatte, der hungerte eben (Heym, Schwarzenberg 21); intime -en (ein Liebesverhältnis) zu/mit jmdm. haben; irgendwann wussten wir halt, dass wir beide gern zusammen sein würden und haben eine B. (Liebesbeziehung) angefangen (Grossmann, Beziehungsweise 70); er hat keine B. (kein inneres Verhältnis) zur Kunst; Außerdem ist es auch nicht möglich, mit einem anderen Land in B. zu treten, ohne seinen ersten demokratisch gewählten Führer mit Respekt zu behandeln (Zeit 6. 1. 95, 8). 2. innerer Zusammenhang, wechselseitiges Verhältnis: die B. zwischen Angebot und Nachfrage; zwei Dinge zueinander in B. setzen, bringen; ihre Abreise steht in keiner B. zum Rücktritt des Ministers (hat nichts damit zu tun); *in ... B. (unter bestimmten Gesichtspunkten): in dieser B. (was dies betrifft) hat er Recht; das Buch ist in mancher, in jeder B. (Hinsicht) zu empfehlen; [mit] B. auf jmdn., auf etw. ([mit] Bezug[nahme], [in] Anspielung auf jmdn., auf etw., [in] Anknüpfung): mit B. auf unser Gespräch von letzter Woche; entsprechend ihrer B. auf freies ... Handeln (Fraenkel, Staat 260).

Universal-Lexikon. 2012.

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